Deutscher Gewerkschaftsbund

27.11.2015

Soziale Gestaltung von „Industrie 4.0“ – Chancen für die Humanisierung der Arbeitswelt?

Chris Velsink

Christian Velsink, DGB Kreisverband Bodensee-Oberschwaben, moderierte den Abend dgb/liedtke

Welf Schroter

Referent Welf Schröter erläutert, dass sich hinter "Industrie 4.0" weit mehr als das Verbinden bereits vorhandener Technologien verbirgt dgb/liedtke

Über 30 Teilnehmer_innen besuchten die Veranstaltung am 25. November im Spitalcafé in Ravensburg. Der DGB Kreisverband Bodensee-Oberschwaben hatte Welf Schröter, Leiter des Forum Soziale Technikgestaltung beim DGB Baden-Württemberg und Mitglied in der „Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg“ eingeladen, zum Umbau der Wirtschaft und Arbeitswelt zu „Industrie 4.0“ zu referieren. Schröter stellte klar, dass der Begriff nicht einheitlich benutzt wird und ein „Alles ist irgendwie mit allem verbunden“ dem Thema nicht gerecht wird. Stattdessen sieht er die Digitalisierung von ganzen Arbeitsprozessen über den Betrieb hinaus als entscheidendes Kernelement der neuen Stufe der Digitalisierung, die unsere Vorstellung von Arbeit in der Zukunft grundlegend ändern wird. Der mittlerweile gesetzte Begriff Industrie 4.0 sei schlecht gewählt, da Verwaltungen und Dienstleistungen ebenso von den Veränderungen betroffen sein werden. Erhebliche Risiken sieht er im Hinblick auf den Datenschutz der Arbeitnehmer_innen sowie im Bereich der Entfremdung. Auf der Veranstaltung warf er die Frage auf, wer wen kontrolliert, wenn die Maschine voran denkt und der Mensch sich nach deren Analyse richtet und an ihre Anweisungen hält. Er sieht aber auch deutliche Chancen in der Entwicklung, besonders im Bereich der Nachhaltigkeit. Er betonte, dass die Klimaziele ohne diesen Wandel nicht erreichbar seien. An die Anwesenden, die Gewerkschaften sowie Betriebs- und Personalräte plädierte er, sich frühzeitig einzumischen und den Prozess kritisch zu begleiten, um einen auf den Menschen zentrierten Weg zu Arbeit 4.0 zu ermöglichen. Die anschließende, intensive Debatte zeigte auf, dass es noch viele offene Fragen zu dem anstehenden Wandel gibt, der Abend aber einen guten Einstieg in das Thema geboten hat. Christian Velsink, Vorsitzender des DGB Kreisverbands Bodensee-Oberschwaben moderierte durch den Abend und bekräftigte, dass das Thema von entscheidender Bedeutung für die gewerkschaftliche Arbeit in den kommenden Jahren sein wird.

Saal 25.11.15

dgb/liedtke